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12. Juni 2006, Arbeitskreis 3: Belastungsgestaltung und Belastungssteuerung - biomechanische und orthopädische Erkenntnisse

Moderation:
Prof. Dr. Rüdiger Schmidt-Wiethoff, Das Deutsche Forschungszentrum für Leistungssport, Deutsche Sporthochschule Köln, Institut für Biomechanik und Orthopädie

Vorträge:
Neue Ansätze für sportartspezifische orthopädische Diagnostik im Leistungssport
Prof. Dr. Rüdiger Schmidt-Wiethoff

Belastungsfolgen im Sport - eine orthopädische Perspektive
Dr. Jens Dargel, Deutsche Sporthochschule Köln

Knochen- und Knorpelantworten auf mechanische Belastungen im Sport
Dr. Anja Niehoff, Deutsche Sporthochschule Köln

Belastungsgestaltung und Belastungssteuerung durch Sportschuhe, Einlagen und Orthesen
Dr. Wolfgang Potthast, Deutsche Sporthochschule Köln

Inhalt
Der menschliche Körper wird im Leistungssport extremen Belastungen unterworfen, weshalb der Bewegungsapparat in einer Vielzahl von Sportarten einen leistungslimitierenden Faktor darstellt. Bekannt ist, dass umfangreiche Trainingszyklen und Belastungsintensitäten zu Überlastungsproblemen führen können. Eine anfänglich noch erfolgreiche Adaptation wird durch wiederholte Überschreitung der physiologischen Belastungsgrenzen nach Auftreten struktureller Schäden gesetzmäßig dekompensieren. Vor diesem Hintergrund beleuchtete der Arbeitskreis die Problematik von Belastung und Belastbarkeit biologischer Strukturen im Sport.

Unter anderem sollten folgende Problemkomplexe aufgearbeitet werden:

  • Belastungsinduzierte Adaptationsvorgänge des menschlichen Organismus. Bio-positive und bio-negative Auswirkungen sportlicher Belastung: Wachstum und Adaptation vs. Mikrotraumatisierung und Gewebsschädigung.
    Biologische Strukturen unterliegen einem dynamischen Aktions-Reaktions-Metabolismus. Die Gewebe des muskuloskelettalen Systems zeigen demzufolge eine ihrer spezifischen Belastung entsprechende Antwort. Diese kann sich in regressiven und progressiven Adaptationsprozessen äußern. Im Spitzensport kann durch spezifische Trainingsprogramme eine progressive und bio-positive Adaptation erreicht werden, welche in einer vermehrten Ausdauer, Kraft- und Schnelligkeit resultiert. Übersteigt die Trainingsanforderung die Belastbarkeit des muskuloskelettalen Systems, werden regressive Prozesse und strukturelle Schäden beobachtet, welche die Leistungsfähigkeit zunehmend beeinträchtigen. Ziel der wissenschaftlichen Untersuchung ist es die Leistungsfähigkeit einer biologischen Struktur abschätzen zu können, um zwischen einer bio-positiven und bio-negativen Antwort des Körpers differenzieren zu können.

  • Belastungsverträglichkeit unterschiedlicher Gewebetypen: Knochen- und Knorpelantworten auf mechanische Belastung.
    Die spezifische Reaktion eines Gewebes auf eine definierte Belastung lässt sich morphologisch und biochemisch beschreiben. Im lebenden Organismus folgen die morphologischen und strukturellen Veränderungen einer definierten Kaskade molekularer Prozesse. Sowohl in Knorpelgewebe als auch im Knochen werden direkte molekulare Signalkaskaden als zelluläre und extrazelluläre Reaktion auf biomechanische Lasteinträge beobachtet. Diese können biochemisch detektiert und quantifiziert werden und erlauben Rückschlüsse auf molekulare Reaktionen menschlicher Gewebe auf mechanische Belastungen. Langfristiges Ziel ist es zu definieren, welche Belastungen für ein spezifisches Gewebe tolerabel sind, bzw. welche Belastungen zur zellulären und strukturellen Degeneration führen.

  • Wissenschaftliche Hypothesen zur Entstehung des Sportschadens. Neue Erkenntnisse zu Schädigungsmechanismen von Sehnengewebe.
    Degenerative Veränderungen von Sehnen und Bändern werden vermehrt im Spitzensport beobachtet und als so genannter Sportschaden einer sportartspezifischen Belastung zugeordnet. Pathogenetische Konzepte versuchen eine Ursache-Wirkungsbeziehung herzustellen und mögliche Therapieoptionen abzuleiten. Hinsichtlich eines Überlastungsschadens können diese multifaktoriell bedingt sein und erfordern ein weites Spektrum der Diagnostik, Therapie und Prävention. Ziel der wissenschaftlichen Untersuchungen ist es, Bewegungen und Belastungen, welche zu einer geweblichen Überlastung führen, zu identifizieren und einem pathomorpholoischen Korrelat zuzuordnen.

  • Neue Ansätze in der sportartspezifischen orthopädischen Diagnostik unter Einbeziehung klinischer, kernspintomographischer und biomechanischer Parameter.
    Die orthopädische Untersuchung in der Sportmedizin ist notwendig, um einerseits Schäden und Verletzungen des Bewegungsapparates zu vermeiden und andererseits seine Leistungsfähigkeit zu erhalten. Ziel einer sportartspezifischen orthopädischen Diagnostik sollte es sein, „frühe Symptome“ zu erkennen und entsprechend zu therapieren. Vor diesem Hintergrund sollen Möglichkeiten aufgezeigt werden, subtile Veränderungen der muskulo-skelettalen Integrität und das Auftreten regressiver Prozesse mittels spezifischer Tests zu detektieren.

  • Wirbelsäulen- und Statikanalyse mit dem 3D Body Scanner: Möglichkeiten und Grenzen.
    Vorgestellt wird ein neuartiges Verfahren zur dreidimensionalen Oberflächen- und Statikanalyse.

  • Präventive Aspekte im Leistungssport: Belastungssteuerung durch Schuheinlagen, konfektionierte Einlagen und Orthesen: Eine Standortbestimmung.
    Die Schuh-, Einlagen- und Orthesenversorgung eines Leistungssportlers stellt Industrie und Medizinforschung vor große Herausforderungen. Neuere biomechanische Erkenntnisse unterstützen den Ruf nach einer individualisierten Sportschuh- und Einlagenversorgung. Der Fuß wird hierbei als dynamisches, adaptives und hoch-sensibles System aufgefasst, dessen komplexe Kinematik und Kinetik generellen Gesetzmäßigkeiten bei äußerst variabler interindividueller Ausprägung unterliegt. Der im Fachhandel universell tragbare Schuh ist demnach für den Leistungssport nur bedingt geeignet. Die Schuhtechnologie wird in Zukunft im Sinne eines Baukastenprinzips die individuellen Parameter eines Sportlerfußes berücksichtigen müssen und modulare Schuhsysteme anbieten müssen.
Nachwuchsfoerderung und Schule

Programm zum Download

Programm der Veranstaltung

 

 

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