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sportland nordrhein-westfalen - frauen-fußball-wm 2011

Arbeitskreis 3: Talentsuche in der Schule

 Moderation: Prof. Dr. Roland Naul, Universität Duisburg-Essen (1.0 MB) 

OGATA Hockey Köln, Hella Roth-Großmann, KHTC Blau Weiß

Talentzentrum Leichtathletik, Wilfried Starke, Leichtathletik Horn Bad-Meinberg, Projektleitung

Der AK 3 wurde eingeleitet mit einem Impulsreferat von Roland Naul, der in drei Schritten "alte und neue Wegmarken" für die Talentförderung skizzierte und dabei mit Blick auf die vier Referate im AK die Themen "Talentzentrum" und "Ganztagsschule" für die Zusammenarbeit von Schule und Verein mit empirischen Daten aus verschiedenen Untersuchungen hervorhob. So haben bereits knapp 70% aller NRW-Grundschulen den Ganztagsbetrieb eingeführt. Mit der Ganztagsschule sind Risiken und Chancen verbunden - auch und gerade wenn es um das Thema "Talentsuche" und "Talentförderung" geht.

Die zwei ersten Referenten, Frau Roth-Großmann und Herr König, stellten zwei Projekte aus dem Bereich des Hockeysports (Blau-Weiß Köln) und des Handballsports (TSV Bayer Dormagen) vor, die eine Kooperation im Rahmen des offenen Ganztags an Grundschulen vorstellten bzw. in einem Verbund von Maßnahmen das Projekt "13 plus" erläuterten. Der TSV Bayer Dormagen ist zudem Träger im Ganztagsbereich. Hier wurde diskutiert, wie - wenn keine Hauptamtlichkeit vorliegt -, die frühen Nachmittagsangebote in den Schulen mit qualifiziertem Vereinspersonal möglich und machbar sind. Kritisch wurde auch nachgefragt, ob das Klientel der Kinder im Ganztag aus bildungsfernen Schichten tatsächlich ein Potential für die Nachwuchsförderung darstellt. Es konnten Beispiele genannt werden, die diese Skepsis einschränken.

In einem zweiten Block folgten Referate von Wilfried Starke und Horst Gerlach. Herr Starke stellte Netzwerk-Aktivitäten des Talentzentrums in der Leichtathletik Horn-Bad Meinberg vor, das zwischen verschiedenen Grundschulen und örtlichen Vereinen auf der Basis mehrerer Kommunen im Einzugsbereich der LG Lippe-Süd geknüpft wurde. Hier war besonders auffallend die geringe Quote an Sportlehrern, die zugleich als Trainer in den örtlichen Vereinen agierten, ein Problem, das auch die anschießende Diskussion (Sportlehrerqualifizierung, Mitwirkung bei Talentmaßnahmen) bestimmte. Der Beitrag von Horst Gerlach stellte die verschiedenen breiten- und leistungssportlichen Maßnahmen dar, die im Talentzentrum Eisschnelllauf in Grefrath unternommen werden, um Jungen und Mädchen aus Grundschulen und weiterführenden Schulen mit Schnupperkursen und über verschiedene breitensportliche Rundenläufen zum Eisschnelllauftraining zu führen. Da es hier keine Äquivalente im regulären Schulsport gibt, findet auch "Schulsport auf dem Eis" statt. Auffallend war hier der große Servicebereich, einschließlich der Projektfahrten mit Eltern und Förderern nach Inzell.

In der Abschlussdiskussion wurden noch einmal von den AK-Teilnehmern die besonderen Probleme angesprochen, die z.Zt. durch die Umstrukturierungen und Reformschritte im Schulsystem (Ganztagsbetrieb, Verkürzung der Schulzeit im Gymnasium auf 8 Schuljahre) für Talentsuche und Talentförderung in der Schule neue Probleme schaffen, die einer Lösung bedürfen. Schulreformen dürfen nicht nur quantitativ das Problem G 8 lösen, sondern qualitativ im Bereich der Unterrichtsfächer und ihrer Inhalte. Modelle aus dem Ausland sollten hier sorgfältig studiert werden, wenn es zum Ganztagsbetrieb der Schulen in NRW in der Zukunft keine Alternative geben sollte. Umso wichtiger wird die nachhaltige Einbeziehung der Kommune als Partner der Schulen und der Sportvereine sein, um diese neuen Herausforderungen für die Talentsuche zu lösen.
(Roland Naul)

Nachwuchsfoerderung und Schule