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NRWM FanFest - STARKE FRAUEN

Die Quereinsteigerin

Anke Feller holte in Athen WM-Gold mit der 4 x 400-Meter-Staffel, wurde Journalistin und Sportfunktionärin - Karrieren, die sie mit viel Engagement betreibt

Von Silke Offergeld

Anke Feller

Eins ist beim Treffen mit Anke Feller sofort klar: Sie ist niemand, der unauffällig im Hintergrund bleiben kann. Nicht, weil sie ständig angestrengt ins Zentrum der Aufmerksamkeit drängen würde. Sondern einfach, weil sie ist, wie sie ist: Groß. Athletisch. Attraktiv. Und von mitreißender Energie. Als Sprinterin war Anke Feller mit der 4 x 400-Meter-Staffel Weltmeisterin, Weltcupsiegerin und Europameisterin. Inzwischen ist die 39-Jährige erfolgreiche Moderatorin, Reporterin und Autorin für Radio- und Fernsehsender - und seit dem Frühjahr Vorstandsvorsitzende der Sportstiftung NRW.

Mit Feller Schritt zu halten, ist nicht ganz einfach. Ihr Gang ist der einer Läuferin, federnd, raumgreifend. Zielstrebig durchquert sie jetzt den Leverkusener Neuland-Park in Richtung des Ausflugslokals "Wacht am Rhein", hinten rauscht die A1, vorn rauchen die Schlote des Bayer-Werks, rechts fließt der Rhein. Anke Feller ist auch heute immer in Bewegung, als berufstätige Mutter eines vierjährigen Sohnes und jetzt eben auch ehrenamtliche Funktionärin. Der enge Takt der Termine beschleunigt ihren Alltag. Hektisch macht sie das kein bisschen. "Jetzt einen Kaffee in der Sonne, das wär es doch", sagt sie, und ihre Schritte werden noch etwas länger.

Die Übernahme des Vorsitzes der NRW-Sportförderung hat Anke Feller nicht gezielt angestrebt. Sie hat sich sogar ziemlich herausgehalten aus den üblichen Funktionärskreisen, bis sie Anfang des Jahres gefragt wurde, ob sie den Posten übernehmen wolle. Für sie selbst kam das völlig  überraschend. Sie erbat sich Bedenkzeit - und sagte dann sehr schnell zu. Wichtige Entscheidungen bräuchten bei ihr eigentlich lange, sagt Anke Feller, "aber ich bin schnell, wenn mich etwas begeistert". Anfang April wählte das Kuratorium der Stiftung sie zur neuen Chefin.

Ein Quereinstieg also - womit gleich eines der wichtigsten Themen der Sportfunktionärin Anke Feller benannt wäre: der oftmals holprige Umstieg zwischen einer Karriere als Leistungssportler in das Berufsleben danach. Denn außer den - männlichen - Fußballprofis können nur wenige Athleten ihr Leben lang von den erlaufenen, erschwommenen, erspielten Geldern zehren. "Ich habe häufig Kollegen erlebt, die nur auf den Sport fokussiert waren und gesagt haben: Ach, da wird sich schon was ergeben. Das war ja auch immer so, dass dann der Vereinsboss jemanden kannte und Vitamin B ins Spiel kam", erinnert sich Anke Feller. "Heute ist das anders - da muss man etwas vorweisen können."

Nach ihrem Abitur wollte Anke Feller eigentlich Krankengymnastin werden, gab aber dem Sport den Vorrang. Neben dem Training bei Gerd Osenberg in Leverkusen studierte sie an der Kölner Sporthochschule. Ihr Schwerpunkt: Leistungs- und Breitensport. Der Einstieg in ihren heutigen Beruf war: ein Quereinstieg. Und dazu noch ein riesiger Zufall.

Vor elf Jahren lernte Anke Feller bei einem Sport-Empfang die zukünftige  Chefredakteurin von "Radio Leverkusen" kennen, "witzigerweise", sagt sie heute. Man kam ins Gespräch, und sie bot Feller einen Praktikumsplatz im Sender an, falls sie Interesse habe. Ein Jahr später verpasste Anke Feller die Qualifikation für die Weltmeisterschaften. Einen kompletten Monat hatte sie sich für die Wettkämpfe frei gehalten. Den, beschloss sie, würde sie nun eben anders nutzen - und machte das Praktikum, erst beim Radio, dann beim WDR-Fernsehen. Beide Redaktionen boten ihr an, als freie Mitarbeiterin weiterzumachen. Feller nahm an.

Naja könnte man jetzt denken, ist sie halt so reingerutscht. Tatsächlich bedeutete der Berufseinstieg für Anke Feller drei Jahre Doppelbelastung. Ab 2003 moderierte sie die Frühsendung von "Radio Leverkusen", morgens von 6 bis 9 Uhr. Das hieß: 4 Uhr aufstehen, in den Sender fahren, arbeiten. Mittags nach Hause kommen, zwei Stunden schlafen, dann ab zum Training. "Wenn der Biorhythmus so richtig unten war, dann musste ich Tempoläufe machen", sagt Feller. Sie lacht, während sie das erzählt.

Ihr großes sportliches Ziel schaffte sie auch: die Teilnahme an den Olympischen Spielen 2004. Sie fuhr nach Athen, dorthin, wo sie 1997 mit der Staffel WM-Gold geholt hatte. Laufen durfte sie aber nicht, und die deutsche Staffel schied im Halbfinale aus. Ohnehin war für Anke Feller klar: "Danach höre ich auf. Die Belastung war einfach zu hoch. Außerdem konnte ich mich so weder in den Sport noch in den Beruf voll reinhängen." Zwei Monate lief sie danach überhaupt nicht. "Man soll ja eigentlich abtrainieren. Aber ich habe das überhaupt nicht vermisst", sagt Feller und muss wieder lachen. Inzwischen ist der Sport willkommener Ausgleich zu ihrem Alltag.

Der besteht zu einem guten Teil aus dem Einfinden in die Stiftungsarbeit, also vor allem Gesprächen mit den Vertretern der beteiligten Institutionen wie der Landesregierung, dem Landessportbund, dem Deutschen Forschungszentrum für Leistungssport "momentum", den Vereinen. "In den letzten Jahren ist durch die Stiftung schon viel verändert worden. Ziel war dabei immer, das Trainingsumfeld für die Sportler optimal zu gestalten, etwa durch mehr Trainerstellen. Jetzt wollen wir uns um die Athleten selber kümmern", erklärt Anke Feller. Einen Schwerpunkt will sie auf eine präventive Gesundheitsförderung bei den Sportlern setzen - "auch durch Frusterlebnisse wie lange Verletzungszeiten gehen dem Sport Athleten verloren. Das können wir verhindern, wenn wir Schwächen frühzeitig erkennen."

Wichtig ist ihr aber vor allem die duale Karriereplanung. "Die jungen Sportler sollen Schule, Studium und  Ausbildung und einen Olympiasieg schaffen - und das am besten, bevor sie 25 sind", beschreibt Feller den Druck, der auf den Athleten lastet. Die bekämen die Doppelbelastung immer früher zu spüren, auch weil in Zeiten wirtschaftlicher Krisen Sponsorengelder weniger locker säßen. Umso wichtiger werden neben öffentlichen Fördergeldern Strukturen und Menschen, die helfen, die Herausforderungen miteinander zu vereinbaren.

"Ich habe mir meinen Weg selber gesucht", bilanziert Anke Feller. "Ich hätte gern ein Volontariat, eine journalistische Ausbildung gemacht. Aber darauf bin ich erst zu spät gekommen, da war ich schon zu alt", sagt sie. "So werde ich immer Quereinsteigerin bleiben."

21 von uns - Portraits

21 VON UNS

Broschüre (51 Seiten PDF, 5 MB)

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