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NRWM FanFest - STARKE FRAUEN

Die Außergewöhnliche

Britta Heidemann lernte mit vierzehn Jahren Chinesisch, wurde mit 25 Olympiasiegerin im Degenfechten, jetzt schreibt sie ein Buch

Von Claudia Jacobs

Britta Heidemann

Was braucht man, um erfolgreich zu sein? Motivation, Disziplin, Durchhaltekraft. Laut Britta Heidemann braucht es vor allem aber auch Freude an der eigenen Leistung. "Ohne den Spaß am Dazulernen und ohne innere Überzeugung lassen sich Ziele schlecht verfolgen bzw. kann man nicht erfolgreich sein."

Heidemann, 28, organisiert schnell mal Kaffee. Am Tresen der Kantine der Trainerakademie der Sporthochschule Köln steht Hermann Kugel und strahlt über das ganze Gesicht. Kugel ist Konditor und ein Original, er kennt Britta Heidemann, seit sie beim Babyschwimmen war. Er hat ihr Potenzial gleich erkannt. "Ich war der Kursleiter", sagt Kugel, zwinkert mit den Augen und wettet, dass Britta "auch in untrainiertem Zustand noch ganz ordentliche Zeiten schwimmt".

Kugel hat vermutlich recht. Britta Heidemann ist die erfolgreichste deutsche Degenfechterin aller Zeiten, zudem gilt sie als Multitalent. Vor dem Fechten hat sie Fünfkampf gemacht und die Leichtathletik nie ganz aufgegeben. Es mache ihr Spaß und es habe Vorteile fürs Fechten, sagt Britta Heidemann: "So schnell jedenfalls bin ich nicht aus der Puste zu bringen." In ihrer Paradedisziplin hat es keine weiter gebracht: 2007 gewann sie die Weltmeisterschaften, 2008 die Olympischen Spiele, 2009 die Europameisterschaften, 2011 die Deutschen Meisterschaften. Aber damit nicht genug: Heidemann ist eine gefragte China-Expertin. Schon als Vierzehnjährige hat sie angefangen, die Sprache zu lernen. "Mich hat Außergewöhnliches schon immer gereizt", sagt Heidemann.

Fechten statt Ballett. Orgel statt Klavier. China statt USA. Als Klassenkameraden sich anschicken, ihr Auslandsjahr entweder in den Vereinigten Staaten oder in England zu machen, steht der Entschluss für Britta Heidemann fest: Ich will nach Peking.

Groß, blond, blauäugig, Ausnahmeathletin, studierte Regionalwissenschaftlerin Chinas - die Chinesen sind in die erfolgreiche Kölnerin richtiggehend verliebt. Im chinesischen Fernsehen war sie schon mehrfach zu sehen, einmal als Gast des chinesischen Pendants zu "Wetten, dass...?". Britta Heidemann ist auch auf deutschen Delegationsreisen nach China ein gern gesehener Gast, wie zum Beispiel beim Expobesuch von Ministerin Schavan im letzten Jahr oder bei der Fußballnationalmannschaft auf deren Asienreise vor zwei Jahren.

In der Heimat hat Heidemann als Athletin einer Randsportart nicht die Popularität, die sie aufgrund ihrer Leistungen verdient hätte. Schade eigentlich, denn das Fechten ist ein guter Lehrmeister auch fürs Leben. Zurzeit schreibt Britta Heidemann ein Buch darüber. "Erfolg ist eine Frage der Haltung" wird es heißen und soll im September erscheinen.

Was man sich vom Fechten abschauen kann? Beim Degenfechten geht es viel um Taktik, den Kampf mit den eigenen Nerven und die richtige Einstellung. "Man braucht eine Strategie und die mentale Stärke, das Selbstvertrauen, dass man der Aufgabe gewachsen ist", sagt Heidemann. Das gilt abseits der Fechtbahn genauso. "Sich vor etwas zu drücken", sagt Heidemann, "kostet im Nachgang häufig enorme Energie. Wenn man etwas gleich erledigt, hat man die Sache hinter sich, auch wenn es anfangs meist Kraft kostet, sich aufzuraffen."

Trotz Hochleistungssport, Orgelspiel, Schule bzw. Studium findet Heidemann immer noch täglich Zeit, um zu telefonieren, fernzusehen oder zu lesen. "Meine Eltern haben mir schon früh beigebracht, dass ich mir z. B.  in der Schule eine Menge Stress spare, wenn ich stets am Ball bleibe", so Heidemann.

Heidemann guckt auf die Uhr. Sie muss los, das nächste Training steht an. Die vielseitig Begabte hält Vorträge auch zum Thema Zeitmanagement und kennt die Gebote des Erfolgs nur zu genau. Nur das Tablett, das bringt Britta Heidemann noch brav weg. Hermann Kugel ist nicht überrascht.

21 von uns - Portraits

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Broschüre (51 Seiten PDF, 5 MB)

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