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NRWM FanFest - STARKE FRAUEN

Die Ausbilderin

Ingrid Klimke wollte erst Lehrerin werden, dann wurde sie Berufsreiterin und Olympiasiegerin - nun lernen Pferde bei der Münsteranerin

Von Thomas van Zütphen

Ingrid Klimke

Lesen, Schreiben, Rechnen? Oder Turniere zwischen Trippelbarre und Traverse? Anfang der 90er-Jahre musste Ingrid Klimke eine Entscheidung treffen. Zum ersten Mal war die Vielseitigkeitsreiterin gerade - für Barcelona - in einen Olympiakader berufen worden. Und eigentlich wollte die Münsteranerin ja beides: Turnierreiterin bleiben und Grundschullehrerin werden.

Mit Hecheln und Hetzen zwischen Hörsaal und Hufschlag hatte sie "das Studium noch ganz gut auf die Reihe bekommen". Aber schon im Referendariat ließen sich Berufspläne der Amazone und Trainingspläne ihrer Pferde kaum mehr vereinbaren.

Ingrid Klimke machte, was Turnierreiter in so einer Situation tun: durchparieren, sammeln, einen klaren Kopf kriegen. "In der Weltspitze des Reitsports eine Rolle zu spielen, ist heute nur als Vollprofi möglich." Wie es ihr 1999 verstorbener Vater Reiner machte, der neben seinem Beruf als Anwalt sechs Weltmeisterschaften und acht olympische Medaillen in der Dressur gewann, "ist das heute nicht mehr drin". Heute, nach zwei gewonnenen Weltmeisterschaften und fünf olympischen Turnieren hat sie London 2012 fest im Blick, ist zweifache Mutter, verlegt Ausbildungsmaterialien als Bücher und DVDs und unterrichtet Pferde statt Kinder.

Bis zu acht Pferde reitet sie täglich. Manche gehören ihr, manche einem Mäzen, manche "teilen wir uns auch". Für ihre Trainingsarbeit an den Pferden bis zur Championatsreife zahlen die Eigner eine Ausbildungsvergütung, und an den Preisgeldern, die gewonnen werden, partizipiert sie auch. "Doch den vollständigen Return-of-Invest (ROI) schaffen selbst Elite-Vielseitigkeitspferde nur in Ausnahmefällen", so die Erfahrung der 43-Jährigen. Helme und Hosen, Sattel und Stiefel, Trensen und Longen - ohne Sponsoren, die sie und ihre Tiere ausstatten, ist Pferdewirtschaft kaum kostendeckend zu betreiben. Die drei Disziplinen der Vielseitigkeit - Dressur, Parcours und Gelände - erfordern unterschiedliche Ausrüstungen. Wenigstens die Flugreisen zu internationalen Wettbewerben bezahlt für Ross und Reiter der Verband.

100.000 Euro boten Ingrid Klimke und ihre Mäzenin Madeleine Winter-Schulze, um Rubinja im letzten Herbst von einer Auktion mit nach Hause zu nehmen. "Ein Schnäppchen" für das hoffungsvolle Nachwuchspferd, das sich seither Boxengasse, Weiden und Trainingshalle u. a. mit Dresden Mann, Parmenides, Spinoza und Abraxxas teilt. Der Wallach ist ihr derzeit bestes Pferd im Stall. Mit Abraxxas hat sie Mannschaftsgold bei Olympia in Peking gewonnen, mit der besten Einzelplatzierung in der deutschen Equipe.

Hannoveraner, Trakehner, Westfalen - auf Klimkes "Reitanlage Schulze-Brüning" herrscht Multikulti im Münsterland. Mit einem hohen Vollblutanteil, wie er für Vielseitigkeitspferde wichtig ist. Arbeiten mit nur einer Rasse jedenfalls "kommt hier gar nicht in den Stall".

Von der herrlichen Anlage aus geht es regelmäßig zum lockeren Ausreiten an die Ufer der Ems oder zum Krafttraining an den Brochterbeck. "Nichts, was die Bezeichnung Berg verdient hätte", lacht Klimke, "aber das Einzige, was das Münsterland zu bieten hat, wenn Pferde auch mal steile Topografien brauchen." Diese Ups and Downs spielten eine große Rolle. In vielerlei Hinsicht.

Aufstehen und weitermachen ist eine eigene Mechanik im Leben von Vielseitigkeitsreitern. Nach Stürzen zum Beispiel. Normales Berufsrisiko, wie bei einem Abwurf Ende April in England, der für Ingrid Klimke die Konsequenz eines Bänderrisses und einer sechswöchigen Pause hat. Immerhin blieb der 14-jährige Abraxxas gesund.

21 von uns - Portraits

21 VON UNS

Broschüre (51 Seiten PDF, 5 MB)

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