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NRWM FanFest - STARKE FRAUEN

Die Exakte

Lena Schöneborn trainiert, studiert, trainiert, studiert - und so wird es für die Olympiasiegerin im Modernen Fünfkampf bis London auch bleiben

Von Silke Offergeld

Lena Schoeneborn

Der ganz große Erfolg lässt sich nicht planen. Es muss einfach alles passen. Beim Modernen Fünfkampf noch mehr als in anderen Sportarten. Fechten, Schwimmen, Schießen, Springreiten, Laufen - in keiner Disziplin dürfen sich die Sportler eine Schwäche erlauben. Besonders heikel ist das Reiten: Wenn das zugeloste Pferd und der Reiter nicht harmonieren, hilft alle Vorbereitung nichts.

Lena Schöneborn und der Fuchswallach Xingxing hatten an jenem Freitag im Jahr 2008 ziemlich gut harmoniert. Trotzdem blieb Schöneborn ruhig, als sie nach dem Ritt auch die 3000 Meter auf der Kunststoffbahn im Pekinger OSC-Stadion gelaufen war. Und ernst. Zu ernst - für eine Olympiasiegerin. Schließlich wurde sie von einer Konkurrentin angeschubst: "You are the champion!" Und Schöneborn begann zu begreifen. Zu lächeln. Zu strahlen. Zu jubeln. Es hatte einfach alles gepasst. Die Rheinländerin Lena Schöneborn hatte zum ersten Mal seit 72 Jahren eine Goldmedaille für Deutschland im Modernen Fünfkampf geholt.

Die zurückhaltende Reaktion auf den größten Erfolg ihrer Karriere passt zum ersten Eindruck von Schöneborn. Die hochgewachsene Sportlerin mit den dunklen Locken und den großen blauen Augen wirkt ein wenig verträumt. Aber Schöneborn muss hellwach sein. Nicht nur im Wettkampf. Auch ihr Alltag ist eine Herausforderung. Zu bewältigen ist die eigentlich nur auf eine Weise: durch exakte Planung.

Im Moment ist wieder so eine Phase. Eine, in der im Stundentakt ihr Handy piept und sie an den nächsten Termin erinnert; in der sich auf eng beschriebenen Zetteln in ihrer Berliner Wohnung die To-do-Listen für die nächsten Tage sammeln. "Ich muss mir Dinge veranschaulichen", erklärt Lena Schöneborn die Zettelwirtschaft. Sie grinst, ihre rechte Augenbraue zuckt: "Ich wäre gerne etwas ordentlicher, dann wäre es leichter, den Überblick zu behalten." Schritt für Schritt hat sie sich vorgegeben, nichts darf sich mehr verschieben oder länger dauern. Die sechste Disziplin im Modernen Fünfkampf, sagen manche, sei die Organisation der Trainingszeiten.

Die (Sport-)Tage von Lena Schöneborn beginnen oft morgens um halb acht und enden abends um 20 Uhr. Zwei bis vier Sportarten muss sie jeden Tag trainieren. 25 Wochenstunden reine Trainingszeit seien das etwa in der Woche. Vier verschiedene Trainer hat sie - einen fürs Reiten, einen fürs Fechten, einen fürs Schwimmen und Laufen, zudem stehen im Moment viele Übungseinheiten mit der Bundestrainerin für das neue Combined Event, die biathlonähnliche Kombination aus Laufen und Schießen, auf dem Programm. Termine, die koordiniert werden müssen.

Dazu kommen 20 Semesterwochenstunden an der Hochschule für Wirtschaft und Recht Berlin. Lästige Doppelbelastung? Willkommene Abwechslung, findet Schöneborn. Alles eine Frage der Planung. Weltcupfinale, WM und EM finden in den Semesterferien statt - glückliche Fügung. Ab dem Wintersemester wird die 25-Jährige seltener an der Uni zu sehen sein. Die Olympischen Spiele rücken näher - und ihre Titelverteidigung. Ihre Masterarbeit wird sie erst danach schreiben. So ist es geplant.

Wenn Lena Schöneborn am zweiten Augustwochenende 2012 in der Olympic Handball Arena in London auf die Fechtbahn tritt, wird alles vergessen sein. Denn das ist der Moment, an dem sie aufhört, zu planen: der Wettkampf. Sie zählt keine Punkte, sie errechnet nicht den Stand der Konkurrentinnen, sie taktiert nicht. Jetzt gibt es keine Pläne mehr. Nur noch Leistung. Und Leidenschaft. Der ganz große Erfolg lässt sich ohnehin nicht planen. Aber manchmal passt eben einfach alles. 

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