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NRWM FanFest - STARKE FRAUEN

Die Heimatverbundene

Nadine Schmutzler taucht ihre Ruderblätter tagein, tagaus in die Fluten des Dortmund-Ems-Kanals und will im Achter zu Olympia nach London

Von Ottmar Berbalk

Nadine Schmutzler

Auf dem Harkortsee bei Herdecke steigt eine neugierige Gymnasiastin zum ersten Mal in ein Ruderboot. 14 Jahre später zählt sie zur  Weltspitze im Frauenrudern. Der Sprung vom idyllischen Ruhrsee bei Dortmund auf die harten Regattaplätze in Peking, London oder Luzern gelang Nadine Schmutzler nur mit Tausenden Trainingskilometern. 13 Jahre, im schlanken Boot auf dem Wasser.

Rudern ist Quälerei. Wie Marathonlaufen. Training, Training, Training. Bis es vor den Augen schwarz wird. Manches entschädigt. Zum Beispiel, dass die 1,82 Meter große Modellathletin vor der Haustür üben kann, auf dem Dortmund-Ems-Kanal, auf der Lieblingsstrecke vom Stadthafen bis zum Schiffshebewerk Henrichenburg. Das ist wichtig für die 27-Jährige, die sich selbstbewusst als "Kind des Ruhrgebiets" bezeichnet und von ihrer Heimat schwärmt: "Die Mischung aus ehemaligen Industrieanlagen und grünen Winkeln vermittelt eine einmalige Schönheit. Mit der Renaturierung der Emscher begann der Aufstieg aus den kohlschwarzen Ruinen des Reviers. Ich bin hier sehr gern zu Hause." Dort, wo sie auf ihren täglichen Trainingsfahrten ein Wettrennen mit den bulligen Frachtkähnen veranstaltet, die schwer beladen mit ihr die Fahrrinne des Kanals teilen.

Auch nach 13 Tageskilometern taucht sie noch mit Wucht die schweren Ruderblätter in das dunkle Wasser. Denn ein großes Ziel treibt Nadine Schmutzler an. Im August will sie wieder im Achter sitzen und bei den Weltmeisterschaften in Bled, Slowenien, mit dem Paradeboot des Deutschen Ruderverbandes ganz vorne landen. Im kommenden Jahr locken die Olympischen Spiele. Die Vizeweltmeisterin im Achter von 2006 brennt vor Ehrgeiz: "Olympia in der britischen Hauptstadt ist ein tolles Ziel. Schon Peking 2008 hat mir wunderbar gefallen."

Erlebnisse, die antreiben, die den Schmerz des dauernden Trainings vertreiben. Das gemeinsame Erleben des Wettkampfs, das gegenseitige Anfeuern, das Kennenlernen anderer Sportlerinnen und ihrer Disziplinen. Auf dem Flug nach Peking saß sie mit den deutschen Fußballspielerinnen zusammen. Das war allerdings der einzige Kontakt. In China lagen Fußballstadion und Regattastrecken zu weit auseinander. Aber jetzt, im Sommer, will Nadine eines der Top-WM-Spiele besuchen: "Ich mag Fußball, auch wenn ich nicht jedes Wochenende ins Stadion gehe." Als Generalprobe für die Frauen-WM jubelt sie schon mal ihren heimatlichen Schwarz-Gelben bei der nicht endenden Dortmunder Meisterfeier zu.

Die Ruderinnen haben es nicht nur in den Armen, im Wintertraining leisten sich Nadine und ihre Kolleginnen als Ausgleich schon mal einen Hallenkick. Ganz vorsichtig, versteht sich. Denn jede der Ungeübten hat natürlich Angst vor einem Fehltritt am Ball - und einer wochenlangen Rehabilitation. Am Schreibtisch ist die Spitzenruderin routinierter. Nach einem Studium der Raumplanung mit dem Abschluss Diplom-Ingenieurin arbeitet Nadine Schmutzler neben dem  "Hauptberuf Sport" in einem privaten Ingenieurbüro.

Aber ohne die Sportstiftung Nordrhein-Westfalen, den Ruderclub Westfalen Herdecke und zwei Herdecker Organisationen - Lions Club und Werner Richard-Dr. Carl Dörken Stiftung - könnte sie sich ihren Spitzensport nicht leisten: "Über diese Unterstützung bin ich sehr froh." Denn dem Rudersport fehlt es seit Jahren an finanzkräftigen Sponsoren. Auf der Suche nach Vorbildern landet Nadine Schmutzler dann ganz schnell beim Frauenfußball: "Es ist fantastisch, was die Sportlerinnen und ihr Umfeld erreicht haben." Das Ziel ist klar formuliert: mit Erfolgen eine ähnliche Aufmerksamkeit in den Medien und der Öffentlichkeit erreichen. "Ich hoffe, dass der Frauenrudersport eines Tages auch so wertgeschätzt wird wie der Frauenfußball."

21 von uns - Portraits

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Broschüre (51 Seiten PDF, 5 MB)

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