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NRWM FanFest - STARKE FRAUEN

Die Weltenbummlerin

Sarah Poewe wuchs in Kapstadt auf, studierte in den USA, schwimmt in Wuppertal und ist persönlicher Gast bei der Prinzenhochzeit in Monaco

Von Silke Offergeld

Sarah Poewe

Die Sonnborner Straße in Wuppertal ist eine dieser Straßen, in denen das Stadtleben seinen dörflichen Charakter bewahrt hat. In der Gaststätte "Alt Sonnborn", im Bioladen gegenüber und ein paar beige, grau oder erbsengrün gestrichene Häuser weiter kennt man sich.

Wuppertal-Sonnborn ist ziemlich weit entfernt von den Orten, an denen Sarah Poewe bislang gelebt hat. Kapstadt, Südafrika. Athens, Georgia (USA). Los Angeles, Kalifornien. Aber jetzt sitzt Poewe im Eiscafé "Gardasee". Seit Ende Januar wohnt die Schwimmerin gleich um die Ecke. An ihrem linken Ringfinger schimmern silbern die olympischen Ringe. Sie sind der Grund, warum Sarah Poewe hier ist: 2012 will sie in London Bestleistungen bringen. Und Wuppertal ist eben nicht nur Freilichtmuseum, sondern auch Sitz des SV Bayer, in dessen Leistungszentrum die Kaderathletin trainiert.

Aufgewachsen ist die Spezialistin auf den Bruststrecken in Kapstadt, als Tochter einer südafrikanischen Mutter und eines deutschen Vaters. Bis 2001 startete Sarah Poewe für Südafrika, auch bei den Olympischen Spielen 2000 in Sydney. Bei den Europameisterschaften 2002 schwamm sie das erste Mal für Deutschland. Athen und Peking folgten für die mehrfache Deutsche Meisterin und Gewinnerin der Bronzemedaille bei Olympia 2004. London sollen ihre vierten Spiele werden, eine außergewöhnliche Leistung bei den Zehntelsekundenjägern auf der 50-Meter-Bahn.

Den ersten Schubser ins Becken verpasst ihr der ältere Bruder Jean-Claude während ihrer Zeit in Malente, Schleswig-Holstein. Er nimmt die kleine Sarah mit in den Schwimmverein. Mit zehn beginnt sie ernsthaft zu trainieren. Von da an ist sie mehrere Monate pro Jahr unterwegs, in Trainingslagern und zu Wettkämpfen. "Ich wollte das", sagt die 28-Jährige mit den breiten Schultern, die ihren kraftintensiven Sport verraten.

Als Sarah Poewe mit 18 Kapstadt endgültig verlässt, ist das Reisen bereits ihr Alltag. Die Übersiedlung ins Land ihres Vaters hat auch mit der Karriere zu tun. "Die Möglichkeiten, professionell zu schwimmen, waren in Deutschland besser", sagt Sarah Poewe. "Von Südafrika aus muss man ja immer richtig weit reisen, um internationale Wettkämpfe zu schwimmen." Aber: "Kapstadt wird immer meine Heimat bleiben." Südafrika, das ist Vergangenheit. Die Gegenwart ist Wuppertal. "Wenn ich hier bin, fühle ich mich schon deutsch." Gut: Die Deutschen könnten etwas lockerer sein. Gleiches gelte aber für die Amerikaner, wo sie acht Jahre lebte, studierte und trainierte.

An der Wupper hat sie ihre eigene Wohnung, zwei Zimmer in einem Altbau mit Blick auf ein Fachwerkhaus, Baujahr 1743. Zehn Minuten braucht sie von hier aus zum Leistungszentrum, für ihr Krafttraining muss sie nur über die Wupper, wenige Minuten zu Fuß.

Ende Juni wird sie Wuppertal in eine ganz andere Richtung verlassen: Sarah Poewe ist Gast der Glamour-Hochzeit des Sommers - der des monegassischen Fürsten Albert und der ehemaligen südafrikanischen Schwimmerin Charlene Wittstock in Monte Carlo. Mit der Braut schwamm sie vier Jahre für das südafrikanische Nationalteam, bei Wettkämpfen und Lehrgängen teilten sie das Zimmer. Wenn die beiden Schwimmerinnen sich jetzt wiedersehen, trägt die eine wohl ein von Pariser Couturiers gefertigtes weißes Brautkleid. Die andere setzt bei der Wahl der Festrobe auf die Künste einer Wuppertaler Designerin. Sarah Poewe ist angekommen.

21 von uns - Portraits

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