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NRWM FanFest - STARKE FRAUEN

Die Engagierte

Steffi Nerius will ihren Weltmeistertitel und ihre Bekanntheit nutzen, um Speerwerfen in Deutschland populärer zu machen

Von Claudia Jacobs

Steffi Nerius

Der Speerwurf ist eine der technisch anspruchsvollsten Disziplinen. Nur der Speer, so heißt es, gebe dem Sportler eine derart ehrliche Rückkopplung über die Qualität seiner Bewegung. Der Speer ist wie eine Diva, die stets 100-prozentige Aufmerksamkeit und Demut fordert.

Unkompliziert, bodenständig, geradeheraus. So soll sie sein: die Grande Dame des deutschen Speerwurfs. Stets wird sie beschrieben als ehrliche Haut, als Kumpeltyp, als eine, der selbst die Konkurrenz gewogen war. Als Steffi Nerius bei der WM 2009 in Berlin ihre Karriere mit Gold krönte, applaudierte die Zweitplatzierte, die Tschechin Barbara Spotakova, bevor sie die Siegerin herzlich und ohne den geringsten Anflug von Neid in die Arme nahm.

Wir treffen die Frau, der jeder alles zu gönnen scheint, in der "Wacht am Rhein" in Leverkusen. Erst seit zwei Stunden zurück vom Trainingslager auf Zypern, ordert Steffi Nerius zum "Wachwerden" erstmal einen Kaffee.

Nerius ist als Diplom-Sportlehrerin seit zwei Jahren Vollzeittrainerin beim TSV Bayer 04. Mit dem Triumph in Berlin hat die damals 37-Jährige ihre aktive Laufbahn beendet und kümmert sich nun ganz um den Erfolg behinderter Leistungssportler. Muss man mit gehandicapten Sportlern anders trainieren? Irgendwie behutsamer? "Ach was, die wollen genauso an ihre Leistungsgrenzen geführt und gefordert werden", sagt Nerius. Trainer wiederum hätten den Ehrgeiz, ihre Schützlinge siegen zu sehen - egal ob diese zwei gesunde Beine haben oder nur eines.

Schon als Studentin der Sporthochschule Köln hat Steffi Nerius die Schwerpunkte Rehabilitation und Behindertensport gewählt. Das Jobangebot vom TSV Bayer kam zum richtigen Zeitpunkt. Das war alles. Nun aber hängt sich Steffi Nerius rein, gibt Gas, wie gewohnt: Als Gründerin und Schirmherrin des Fördervereins "aclive" klappert sie potenzielle Sponsoren ab für die Behindertensport-Abteilung. Mit dem Geld soll der Nachwuchs gefördert und eine Basis bereitet werden, so wie sie seit Jahren im Nichtbehindertensport üblich ist. Trainingsgruppen schon für Acht- bis Zehnjährige, Fahrdienste, um die Eltern zu entlasten: Bei "aclive" - der Name steht für aktiv leben oder auch live dabei sein - geht es weniger um Rekorde, sondern mehr um den raschen Aufbau von Selbstvertrauen und die Gewissheit: Ich komme im Leben zurecht.

Und selbst? Wie lebt es sich im Jahr zwei nach dem Rücktritt? Mehr Zeit für’s Privatleben gibt es in diesem Frühjahr jedenfalls nicht. Steffi Nerius steckt mittendrin in den Vorbereitungen zum Cup, der ihren Namen trägt. Mit ihrem ersten Speerwurf-Event will die große Blonde vor allem Kinder für ihre Disziplin begeistern. Vorbild sind die speerwurfverrückten Finnen, die den Nachwuchs jedes Jahr mit einem viertägigen Wurf-Karneval locken.

Nerius ist zu viel Hallodri eigentlich zuwider. Dass dank der Albernheiten von Stefan Raab die Wok-WM reichweitenstärker ist als die tatsächliche Bob-WM, hat sie früher richtig geärgert. Mittlerweile aber bewundert sie Raab: "Was der anpackt, mögen die Leute ganz einfach." Mit ihrer Veranstaltung will Nerius nun beides: anspruchsvollen Sport zeigen und rein Unterhaltsames bieten. So ist neben dem offiziellen Qualifikationswettkampf ein Speerwerfen von Promis geplant sowie ein Kids-Parcours, der Lust macht aufs Werfen. 

Gegen die Müdigkeit hat auch ein zweiter Kaffee nicht wirklich geholfen. Steffi Nerius will nach Hause. Dort steht übrigens jener bunte Speer, der durch das Berliner Stadion 67,30 Meter weit flog, an der Wand hinter der Hausbar im Esszimmer. Ein guter Platz für eine Diva: Aufmerksamkeit ist garantiert.

21 von uns - Portraits

21 VON UNS

Broschüre (51 Seiten PDF, 5 MB)

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