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NRWM FanFest - STARKE FRAUEN

Die Vielseitige

Stephanie Groß krabbelte schon als kleines Kind auf der Ringermatte - heraus kam eine Weltklasseringerin

Von Ottmar Berbalk

Stephanie Groß

Malerisch liegt die Klosteranlage Knechtsteden ein wenig abseits der rheinischen Industrieregion Dormagen. Doch die wunderschöne romanische Basilika ist für die Schüler und Schülerinnen der 13. Klasse des benachbarten Norbert-Gymnasiums in diesen Frühjahrstagen reichlich uninteressant, sie stecken im Abiturstress. Erste Klausuren sind geschrieben, und Studienrätin Stephanie Groß versucht beim Gang über die Schulflure den Jugendlichen ihre Anspannung ein wenig zu nehmen. Die Aufmunterung kommt gut an, die 36-jährige Lehrerin ist beliebt.

Stephanie Groß passt perfekt in eine Schule mit Schwerpunkt Sport. Vor drei Jahren beendete die Pädagogin eine Weltklassekarriere in einer für Frauen - immer noch - ungewöhnlichen Sportart: Ringen. Gerne spricht sie über die sportlichen Herausforderungen der zupackenden Sportart und findet das alles gar nicht so ungewöhnlich: "Ringen ist unglaublich vielseitig. Ausdauer, Kraft, Kampf und Technik sind gefordert."

Das alles verfolgt die kleine Stephanie von Kindesbeinen an. Sie wird im badischen Freiburg in einen Ringerhaushalt hineingeboren. Vater Walter kämpft für den AV Freiburg-St. Georgen in der ersten Bundesliga. Wilfried Dietrich aus Schifferstadt und Adolf Seger aus dem Freiburger Club heißen Anfang der siebziger Jahre die Weltklasseathleten des deutschen Ringersports.

Stephanie, ihre Schwester Annabelle und Bruder Dominik kommen mit zum Training, krabbeln über die Matte, zeigen früh ihr Talent. Ganz nach oben führt der sportliche Weg von Stephanie, die parallel noch Judo betreibt, zur deutschen Spitze zählt und unter Olympiasieger Frank Wieneke trainiert. Sie erringt zwischen 1989 und 2008 mehrere Vizeweltmeisterschaften, Europameisterschaften und 13 Titel als deutsche Meisterin sowie die Teilnahme an den Olympischen Spielen 2004: "In Athen ging für mich ein Kindheitstraum in Erfüllung."

Sportlich und privat fühlt sich Stephanie Groß im Rheinland wohl. 1993 zog es die Abiturientin aus dem sonnigen Badener Land an die Sporthochschule Köln, noch heute lebt sie im Stadtteil Ehrenfeld. "Ehrenfeld gefällt mir sehr gut, weil es dort so abwechslungsreich ist."  Den Studiengang Sport ergänzt die Abiturientin um das Fach Französisch - was Wunder, wo doch die Mutter aus Frankreich stammt und Stephanie zweisprachig aufwächst. Das Referendariat führt die junge Pädagogin nach Jülich.

Stephanie kämpft in der Judo-Bundesligamannschaft des TSV Bayer Leverkusen und ringt für den AC Ueckerath, dem sie nach wie vor eng verbunden ist. Die Pädagogin trainiert jetzt die Nachwuchsportlerinnen des seit Jahren erfolgreichsten deutschen Vereins im Frauenringen. Ebenso wie zwei junge Ringerinnen, die sich im Sportinternat des Norbert-Gymnasiums einquartiert haben.

Sport spielt bei der jungen Frau auch nach der aktiven Karriere immer noch eine zentrale Rolle. In ihrer Freizeit geht sie gerne klettern, kitesurfen oder zum Wakeboardfahren an die Wasserskianlage ins nahe gelegene Langenfeld. Im Winter steht sie auf dem Snowboard in den Bergen. Und im letzten Urlaub verknüpfte die Pädagogin ihre sportlichen Erfahrungen mit sozialem Engagement. In Marokko half die Kampfsportlerin gestrauchelten Jugendlichen wieder auf die Beine. "Die Jungs brauchten etwas Autorität, das gelang mir wohl ganz gut."

Aber nicht nur Muskelkraft wird zur Ablenkung eingesetzt, manchmal darf es auch ein Buch sein, am liebsten eines des amerikanischen Autors John Irving. Der war selbst Ringer. Man hätte es sich denken können.

21 von uns - Portraits

21 VON UNS

Broschüre (51 Seiten PDF, 5 MB)

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